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| Dr. Andreas Knaut, Chefredakteur

Äusserst „uncool“

Äusserst „uncool“

Da entschließt sich ein Schweizer Industrieunternehmen, gezielt Ältere einzustellen, um sein Stelleproblem zu lösen. Es spricht auch darüber. Soweit, so begrüßenswert. Aber es spricht nur hinter vorgehaltener Hand, es nennt nicht seinen Namen. Denn: „Ältere Arbeitnehmer sind doch uncool.“

Uncool?

Wo bleibt der Aufschrei der sonst so lauten Diversity-Bewegten? Wo sind die Projekte, Fördermaßnahmen, Wirmüssenunbedingtwasändern-Kongresse der Bundesministerien, Stiftungen, Dachverbände, Gewerkschaften, Sozial-NGOs, und was bei uns sonst alles ein soziales Gewissen vorträgt? Wo ertönt der Empörungs#Aufschrei der AktivistInnen und EngagiertInnen auf Twitter, Facebook und Co? Nichts. Nada. Schweigen.

Alles hat eine Lobby in der Altenrepublik Deutschland.
Nur die alten Arbeitnehmer haben keine.

Unverständlich eigentlich. Denn es fehlen überall Facharbeiter und Fachwissen. Und es gibt da diese Langzeitarbeitslosigkeit der BestAger, die Deutschland europaweit zur Spitzenposition verhilft.

Es ist nur leider so, dass auch Diversity AktivistInnen 50plus auf Jobsuche als „uncool“ empfinden. Nicht so richtig schick, das Thema. Eben „ergraut“ Sie fügen sich damit ein in die Riege der Wirtschaftsleute, Marketingprofis, Politiker, die unverändert das „Alter“ für eine mangelhafte Entwicklung befinden.

Natürlich empfinden sie das nur hinter vorgehaltener Hand. Die Sonntagsrede geht vom neuen „Altern“. Sie gilt – wenn überhaupt – aber nur für das begüterte Seniorenpaar, dass selig auf Kreuzfahrt im Mittelmeer dem Illysium entgegendümpelt. Oder dem geschätzten Alt-Kollegen, an dem dummerweise noch alle Schlüsselkunden hängen.

Der arbeitslose Senior ist dagegen doppelt gekniffen: Er ist nicht nur „alt“, sondern auch noch erfolglos. Zuviel für die Toleranz dieser Gesellschaft.

 

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