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| Datenreport 2016 I: Deutschland ist mitten im demografischen Wandel

Deutsche schrumpfen von 81 auf 67 Millionen

Deutsche schrumpfen von 81 auf 67 Millionen

Deutschland befindet sich mitten im demografischen Wandel. „Ein Bevölkerungsrückgang ist in Deutschland auf lange Sicht kaum ver­meidbar“, bekräftigt  der heute in Berlin vorgestellte „Datenreport 2016 – ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland“ die bisherigen Befunde.

Statistiker und Sozialforscher haben darin auf knapp 500 Seiten Zahlen und Befunde zu wichtigen Lebensbereichen zusammengestellt – von „Bevölkerung“ bis zu „erte und Einstellungen“. Der Datenreport wird herausgegeben vom Statistischen Bundesamt (Destatis), der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Die Befunde zur demografischen Situation bleiben aber auf Basis der bekannten 13. – zwischen den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder – koordinierte Bevölkerungs- vorausberechnung, wleche die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2060 zeigt. Der ihr zugrunde liegende Bevölkerungsbestand am 31. Dezember 2013 basiert auf der Bestandsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011.

„Die aktuelle Altersstruktur führt dazu, dass ab Mitte der 2020er­Jahre immer mehr Menschen im Rentenalter verhältnismäßig schwach besetzten Jahrgängen im Erwerbsalter gegenüberstehen. Im Jahr 2030 werden die Angehörigen des Jahrgangs 1964, des geburtenstärksten Jahrgangs der Nach­ kriegszeit, 66 Jahre alt. Von diesen Ver­ änderungen werden viele Lebensbereiche betroffen sein. Sie werden nicht erst in 50 Jahren spürbar, sondern auch schon in den nächsten zwei Jahrzehnten eine große Herausforderung darstellen.“

Weitere Befunde zur demografischen Entwicklung:

Seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1990 hat die Zahl der Geborenen fast stetig abgenommen. Die Zahl der ab 70­Jährigen ist von 8,1 Millionen im Jahr 1990 auf 12,9 Millionen Personen im Jahr 2013 gestiegen. Das Medianalter, welches die Bevölkerung in eine jüngere und eine ältere Hälfte teilt, ist infolgedessen um 8 Jahre von 37 auf 45 Jahre gestiegen. Gleichzeitig ist der Altersauf bau der Frauen und Männer ähnlicher geworden. Insbesondere zeigt die Zahl der Hoch­ betagten, das heißt der Menschen, die 80 Jahre oder älter sind, dass mittlerweile nicht nur Frauen, sondern auch Männer ein höheres Lebensalter erreichen. Der aktuelle Altersauf bau wird für die künftige Bevölkerungsentwicklung eine dominierende Rolle spielen und große Herausforderungen für Wirtschaft und soziale Sicherungssysteme mit sich bringen.

Seit etwa vier Jahrzehnten reicht die Zahl der Neugeborenen nicht aus, um die Elterngeneration zu ersetzen. Es sterben mehr Menschen als Kinder geboren wer­den. Ohne Wanderungsgewinne aus dem Ausland würde Deutschlands Bevölke­rung bereits seit langem rapide schrump­fen und noch schneller altern. Langfristig wird die immer weiter aufgehende Schere zwischen der Zahl der Geborenen und der Zahl der Gestorbenen nicht durch Zuwanderung zu schließen sein; dazu wären langfristig weit höhere Wander­ungsüberschüsse nötig als in der Ver­gangenheit.

Im Jahr 2013 betrug die zusammengefasste Ge­burtenziffer in den neuen Ländern 1,5 Kinder je Frau, während sie im frühe­ren Bundesgebiet bei 1,4 Kindern je Frau lag (jeweils ohne Berlin).

Die Lebenserwartung ist in den letz­ten hundert Jahren beträchtlich gestiegen. Hierbei spielte die Verringerung der Säuglings­ und Kindersterblichkeit lange eine entscheidende Rolle. Im Deutschen Reich betrug die durchschnittliche Le­benserwartung im Zeitraum 1871/1881 für neugeborene Jungen 35,6 Jahre und für neugeborene Mädchen 38,5 Jahre. Aber schon Zehnjährige hatten eine wei­tere Lebenserwartung von 46,5 Jahren (Jungen) beziehungsweise 48,2 Jahren (Mädchen). Gegenwärtig beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung – nach der Allgemeinen Sterbetafel 2010/2012 – für Jungen 77,7 Jahre bezie­ hungsweise 82,8 Jahre für Mädchen. So­mit hat sich die Lebenserwartung neuge­borener Jungen und Mädchen in Deutschland innerhalb von etwa 130 Jah­ren mehr als verdoppelt.

Aber auch für ältere Menschen ist die Lebenserwartung deutlich angestiegen, verstärkt in den letzten Jahrzehnten. Heute haben 60­jäh­rige Männer im Durchschnitt noch weite­ re 21,3 Jahre und gleichaltrige Frauen 25,0 Jahre zu erwarten. Das sind 9,2 Jahre mehr bei den Männern und 12,3 Jahre mehr bei den Frauen als 1871/1881.

In den kommenden Jahrzehnten wer­den der Rückgang der Bevölkerungszahl und die Alterung kennzeichnend für den demografischen Wandel sein – zwei Szenarien: Die erste Annahme geht von einem Abflachen der anfangs sehr hohen jährlichen Nettozuwanderung von 500 000 Personen auf 100 000 Personen innerhalb von sechs Jahren bis zum Jahr 2021 aus. Anschließend bleibt der Wanderungssaldo bei 100 000 Personen pro Jahr. Im zweiten Szenario wird angenommen, dass der jährliche Wanderungssaldo von 500 000 Personen bis zum Jahr 2021 auf 200000 Personen sinken und sich dann auf diesem Niveau verfestigen wird. Im gesam­ten Vorausberechnungszeitraum von 2014 bis 2060 würden damit durchschnittlich je­weils 130000 beziehungsweise 230000 Per­ sonen pro Jahr nach Deutschland zuwan­dern. Kumuliert ergibt sich daraus ein Nettozuzug von 6,3 Millionen beziehungs­ weise 10,8 Millionen Personen.

Die Zahl der Geborenen wird voraus­ sichtlich bis zum Jahr 2020 relativ stabil bei etwa 700 000 Kindern bleiben. Dafür sorgt eine derzeit günstige Altersstruk­ tur der potenziellen Mütter: Die relativ gut besetzten 1980er­Jahrgänge (Kinder der sogenannten Baby­Boom­Generati­on) sind noch einige Jahre im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30, in dem die Gebur­tenhäufigkeit besonders hoch ist. An­schließend wird aber die Zahl der Gebo­renen zurückgehen und im Jahr 2060 zwischen 500 000 und 550 000 Kinder betragen.

Die Zahl der Sterbefälle wird dagegen steigen, da die geburtenstarken Jahrgän­ ge, die heute im mittleren Alter sind, im Vorausberechnungszeitraum in das hohe Alter aufrücken, in dem die Sterblichkeit natürlicherweise größer ist. Diesem Effekt der aktuellen Altersstruktur steht die zunehmende Lebenserwartung der Bevölkerung gegenüber. Sie verlangsamt den Anstieg der Sterbefälle.

Das Geburtendefizit wird sich infolge dieser Entwicklung der Geburten­ und Sterbefälle erheblich vergrößern. Im Jahr 2013 betrug es 212 000 Personen. Im Jahr 2020 wird es auf 240 000 Personen steigen und sich bis 2060 auf etwa 500 000 Perso­nen mehr als verdoppeln. Die Netto­ zuwanderung wird diese immer stärker auf klaffende Lücke auf Dauer nicht schließen können.
Die Bevölkerungszahl von 80,8 Millio­ nen Menschen im Jahr 2013 wird deshalb – je nach Ausmaß der Nettozuwanderung – voraussichtlich noch fünf bis sieben Jahre steigen und anschließend sinken. Unter den Stand von 2013 sinkt sie frühestens 2023. Im Jahr 2060 werden demnach in Deutschland zwischen 67,6 Millionen Menschen (Variante 1: kontinuierliche Entwicklung bei schwächerer Zuwan­ derung) und 73,1 Millionen Menschen (Variante 2: kontinuierliche Entwicklung bei stärkerer Zuwanderung) leben.

Die Relation zwischen Alt und Jung wird sich stark verändern. Ende 2013 waren noch 18 % der Bevölkerung jünger als 20 Jahre und auf die 65­Jährigen und Älte­ ren entfielen 21 %. Die Personen im soge­ nannten Erwerbsalter (hier von 20 bis 64 Jahre, siehe Info 2) stellten 61 % der Bevölkerung. Im Jahr 2060 werden dagegen 16 % unter 20 Jahre alt sein und etwa ein Drittel (33 % oder 32 %) 65 Jahre oder älter. Im Erwerbsalter befindet sich dann nur etwa die Hälfte der Bevölkerung (51 % oder 52 %).

Die Gesamtzahl der unter 20­Jährigen war im Ausgangsjahr 2013 mit 14,7 Milli­ onen Personen bereits rund 3 Millionen geringer als noch vor 20 Jahren (1993: 17,5 Millionen Personen). Sie wird bis zum Jahr 2060 bei einer kontinuierlichen demografischen Entwicklung weiter sinken. Je nach Stärke der Nettozu­ wanderung wird sie auf 11 Millionen Personen (Variante 1) beziehungsweise 12 Millionen Personen (Variante 2) fallen.

Die Anzahl der ab 65­Jährigen wird besonders deutlich in den kommenden Jahrzehnten bis zum Jahr 2037 wachsen. Bei einer kontinuierlichen demografischen Entwicklung und einem schwächeren Wanderungssaldo wird sie 2037 gut 23 Millionen Personen betragen und damit um etwa 40 % höher sein als im Jahr 2013 (16,9 Millionen Personen). Zwischen 2037 und 2060 wird diese Altersgruppe – trotz einer voraussichtlich sinkenden Zahl der Gesamtbevölkerung – fast unverändert bleiben.

Die Entwicklungen bei den 65­ bis 79­Jährigen und bei den ab 80­Jährigen unterscheiden sich indessen deutlich. Die jüngere Seniorengruppe wird vor allem zwischen 2025 und 2035 deutlich wachsen, bis die stark besetzten Jahr­ gänge allmählich ins höhere Alter wechseln. Die Zahl der Hochbetagten nimmt dagegen fast kontinuierlich zu. Um 2050 wird sie ihr Höchstniveau mit knapp 10 Millionen Personen erreichen. Dann wird sie doppelt so groß sein, wie im Jahr 2013 (4,4 Millionen Menschen). Der Anteil der ab 80­Jährigen an der gesamten Seniorengruppe wird dabei von heute 26 % auf 43 % beziehungsweise 45 % steigen. Zwischen 2050 und 2060 wird ihre Zahl um rund 1 Million Personen sinken.

Der Bevölkerung im Erwerbsalter werden künftig immer mehr Senioren ge­genüberstehen. Im Jahr 2013 entfielen auf 100 Personen im Erwerbsalter (20 bis 64 Jahre) 34 Ältere (65 oder mehr Jahre). Im Jahr 2060 werden es bei einer kontinuier­ lichen demografischen Entwicklung und schwächerer Zuwanderung 65 ältere Men­schen sein. Beträgt der jährliche Zuzugs­ überschuss langfristig 200 000 Personen, fällt der sogenannte Altenquotient mit 61 Personen nur wenig niedriger aus.(Bild: Destatis)
destatis.de_Datenreport

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