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| Wolfgang Gründiger bemängelt die Ignoranz der Alten

„Eingeschlafenes Land, das in der Vergangenheit schwelgt“

„Eingeschlafenes Land, das in der Vergangenheit schwelgt“

Es gehe zwischen Jung und Alt in unserer Gesellschaft nicht um ein Ausbeutungsverhältnis, nicht einmal um Rivalität, sondern um gleiche Teilhabe an den Entscheidungsfragen zur Zukunft unserer Gesellschaft, so die These von Wolfgang Gründinger.

Der sich selbst als Zukunftslobbyist verstehende Sprecher der Stiftung der Rechte zukünftiger Generationen sprach beim beim Politischen Mittag der Körber Stiftung.

Gründinger: In einer vom demografischen Wandel geprägten Gesellschaft, in der heute die Hälfte der Bevölkerung älter als 46,3 Jahre alt ist, müssen die Interessen der Jungen mehr vertreten sein. Das sei kein  „Alten-Bashing“, aber die Jungen finden zu wenig statt: Die Talkshows seien voll von den Belangen der älteren Generation. Rente und Altersarmut beherrschen die politische Debatten und der aktuelle Zeitgeist sei der eines „eingeschlafenen Landes“, das in den Erinnerungen an die glorreiche Vergangenheit der Babyboomer schwelge.

Der Großteil der deutschen Wähler sei von der Zukunft gar nicht mehr betroffen und folglich auch nicht großartig an ihr interessiert, sofern es nicht um die eigenen Kinder gehe.

Gründinger machte deutlich, dass die Jugend eine Minderheit geworden sei und diese Minderheit keine Lobby habe.

Die politische Ohnmacht der Jugend sei mehr Folge dessen, dass die Jugend nicht gefragt und nicht vertreten werde, als Folge einer faktisch geringeren Wahlbeteiligung.

Entscheidende Lösung im Generationenkonflikt sei die Generationengerechtigkeit – sie müsse in den Fokus. Selbst beim Thema Altersarmut sei es falsch, nur bei der älteren, betroffenen Generation anzusetzen. Das beste Mittel gegen zukünftige Altersarmut sei, Kinderarmut zu bekämpfen. Denn schon heute wachse ein Fünftel aller Kinder in Deutschland in Armut auf. Viel zuwenig sei das ein Thema. Wähler,  die Zeit ihres Lebens alle Sicherheit gehabt haben, seien nur an einer Erhöhung der Rente interessiert, nicht aber an einer Erhöhung des Kindergeldes und einem Ausbau der Kinderbetreuung.

Das Denken in Legislaturperioden sei zu pragmatisch, so Gründinger, ein Plan nur für die nächste Bundestagswahl zu kurz gegriffen: Die Gesellschaft brauche Visionen. Alter könne man nicht klar definieren, klar sei aber, dass die Alten sich immer länger jung fühlen: Niemand wolle mehr alt sein, alle wollten nur alt werden. Wo bleiben da noch die eigentlich Jungen?

koerber-stiftung.de

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