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| Dr. Andreas Knaut, Chefredakteur

Gebt „Dritte Räume“

Gebt „Dritte Räume“

Es ist nur eine kleine Meldung, noch nicht einmal eine solche – vielmehr ein Plädoyer. Aber sie läßt aufhorchen. Familie und Firma sind nicht genug, sprechen wir von Teilhabe der älteren Mitbürger – wir benötigen „Dritte Orte“. Das sind all jene – distanziert soziologisch – als Begegnungsräume klassifizierten Räume wie Cafes, Parks, Treffs, wo 60plus und nicht nur sie – schlicht sein können. Ohne sich kümmern (Familie) oder etwas leisten (Arbeit) zu müssen.

Die „Dritten“ gehen in der Diskussion leicht unter. Sieht man sich Themen- und Projektpläne der Initiativen und Förderer an, so hat man den Eindruck, die Senioren bleiben auf Effizienz getrimmt. Wenn sie nicht gerade pflegerisch im Quartier Hand anlegen, als Seniorexperte den Vertrieb auf Trap bringen, sportlich Alpenwege erklimmen, oder mindestens das Smartphone erlernen, scheint ihre verlängerte Lebenszeit verschwendet.

Unsere ach so tolerant lässige Gesellschaft 4.0, die unentwegt work_life-Balance predigt, tut dies eben mit der ihr eigenen deutschen Effizienz.

Ja, gewiss, es gibt sie, die Senioren-Treffs, Oma-Cafés, Lesungen mit Schulkindern, Kochabende mit jungen Erwachsenen und Kulturabende mit Heino oder Peter Maffay. Aber irgendwie kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, das sind Ablasshandlungen einer Betreuungsgesellschaft, ausgestattet mit Linoleumboden und Plastikstühlen. Und dann sollte das Thema aber auch erledigt sein.

Systemisch ist das alles nicht. Und schon gar nicht liegt ein strategisches Augenmerk darauf. Kaum verwunderlich, denn auch sonst sorgt sich Deutschland wenig um seine öffentlichen Begegnungsräume. Merke: Müssiggang ist dem arbeitsteiligen, zeitgetakteten Deutschen unverändert eine fremde, daher suspekte Angelegenheit.

Dabei sagen alle Untersuchungen, dass eine Gesellschaft, die alle ihre Glieder teilhaftig lassen will, kommunatiristisch eben, solche informellen, entspannten Räume benötigt. Sie bilden den Kit, auf dem unsere Verbindung beruht. Zu dieser Erkenntnis muss man nicht Toqueville oder Charles Taylor gelesen haben.

Das gilt umso mehr für Senioren. Gebt Ihnen die „dritten Räume“ – lasst sie sein. Unser aller Leben wird entspannter.

 

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