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| Stiftungen erstellen Szenarien zur digitalen Zukunft Deutschlands

Macht Arbeit 4.0 sich auf den Weg in den Rheinischen Kapitalismus 4.0?

Macht Arbeit 4.0 sich auf den Weg in den Rheinischen Kapitalismus 4.0?

In welche Richtungen sich Arbeit 4.0 und Industrie 4.0 hierzulande entwickeln, hat jetzt die Stiftung Neue Verantwortung gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung untersucht.  24 Technologie- und Arbeitsexperten haben sechs Szenarien kreiert – manches stimmt optimistisch:

Aus der Beschreibung:

  1. IT-Ingenieurs-Nation: Industrie 4.0 ist die neue Erfolgsgeschichte der alten Ingenieursnation. Maschinenbauer und Automobilhersteller haben die digitale Transformation bewältigt und sorgen für Wachstum. Durch die fortgeschrittene Automatisierung und Vernetzung in der Produktion sind zwar viele Arbeitsplätze verloren gegangen. Trotzdem ist der Sozialstaat in der Lage, soziale Härten durch die Verknappung von Arbeit mit einem bedingungslosen Grundeinkommen auszugleichen.
  2. Erfolgreicher Datenstandort mit sozialen Konflikten: Die Industrie hat durch die Digitalisierung an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Dagegen sorgt in Deutschland – angeführt von der Banken- und Versicherungswirtschaft – die Verwertung von Daten im Dienstleistungssektor für wirtschaftliches Wachstum. Datenschutzfragen spielen in der Bevölkerung kaum mehr eine Rolle. Der Umsatz pro Mitarbeiter ist hoch, obwohl nur wenige Spezialisten benötigt werden. Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben hochqualifizierte Wissensarbeiter, die über die notwendigen Fähigkeiten für eine datenintensive Wirtschaft verfügen und die Aus- und Weiterbildung selbst in die Hand nehmen. Die sozialen Sicherungssysteme werden durch fehlende Arbeitsplätze für Geringqualifizierte und der zunehmenden Frühverrentung der Babyboomer stark belastet.
  3. Rheinischer Kapitalismus 4.0: Deutschland verfügt flächendeckend über eine hochmoderne digitale Infrastruktur. Die intensive Vernetzung in Beruf und Alltag wird in der Gesellschaft als eine Chance gesehen, die mehr Freiheit und Freizeit bringt. Die Arbeitswelt ist über Projekte und Plattformen organisiert. Überall sind neue Geschäftsmodelle und Geschäftszweige entstanden. Der Arbeitsmarkt ist weitgehend liberalisiert. Es existiert nur noch ein Mindestmaß an sozialer Sicherung, obwohl die deutsche Wirtschaft dank alter Stärken und neuer Kompetenzen weiterhin wettbewerbsfähig ist.
  4. Digitale Hochburgen mit angehängtem Umland: Deutschland ist geteilt – in wirtschaftlich leistungsfähige Städte und ländliche Räume mit nur wenigen Arbeitsplätzen und einer kaum ausgebauten digitalen Infrastruktur. Der Wohnort ist entscheidend für die beruflichen Chancen. Die Wirtschaftsstärke ist auf Metropolregionen konzentriert, die untereinander auf dem Weltmarkt konkurrieren. Mit der regionalen Verwerfung wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer – auch weil Deutschland Old Economy Technologie aus dem Ausland importiert oder kopiert.
  5. Digitale Evolution im förderalen Wettbewerb: Die Bundesländer konnten mit ihrer Bildungs- Infrastruktur- und regionalen Wirtschaftspolitik entscheidenden Einfluss auf den digitalen Wandel der Wirtschaft nehmen. Sie stehen nun in einem intensiven Wettbewerb um mobile, hochqualifizierte Freiberufler. Es gibt Gewinner und Verlierer: Einzelne Bundesländer sind abgehängt und bieten deutlich schlechtere Lebensbedingungen. Dagegen ziehen die digitalen Vorreiter ausländische Investitionen an und verfügen über anpassungsfähige Bildungssysteme. Das starke Gefälle zwischen den Regionen hat zu einer sinkenden Solidarität geführt und macht Einigungen auf Bundesebene immer schwieriger.
  6. Digitales Scheitern: Der Umgang mit digitalen Technologien wurde zu einem entscheidenden Kriterium für Wettbewerbsfähigkeit. Weder die Industrie, noch Politik und Regulierung konnte mit dem technologischen Wandel Schritt halten. Der Fahrzeug- und Maschinenbau wurden international von Konkurrenten verdrängt und digitale Hoffnungsträger aus dem Dienstleistungssektor von ausländischen Konzernen aufgekauft. Die alternde Gesellschaft ist technologieskeptisch. Es gibt eine Vielzahl von Arbeitssuchenden und jungen Zugewanderten, die aber aufgrund ihrer Qualifikationen einen wirtschaftlich lähmenden Fachkräftemangel nicht decken können. Es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit und ein niedriges Lohnniveau. Das Sozialsystem wird überwiegend aus Beiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber finanziert.“

Wie es auch kommt, eines sei sicher, schreibt die Bertelsmann Stiftung: “Alle Szenarien machen eines deutlich: Arbeit 4.0 wird zur nächsten politischen Großbaustelle der Digitalisierung in Deutschland”. Wenn sie es nicht längst ist.

bertelsmann-stiftung.de

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