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| Dr. Andreas Knaut

Nicht miteinander streiten, sondern gegeneinander schweigen

Nicht miteinander streiten, sondern gegeneinander schweigen

In deutschen Medien tobt gerade ein Generationenkampf der besonderen Sorte. „Weiße alte Männer“ hätten Donald Trump vergangene Woche in das Amt des US-amerikanischen Präsidenten getragen, so geht derzeit die Fama im deutschen Pressewald– ein Aufstand von halbsenilen und demzufolge auch offensichtlich halbdebilen „Zurückgelassenen“ und „Abgehängten“, von “Globalisierungsverlierern“ und Revisionisten“ tobe durch Amerika. Kennt man ja schon vom Brexit.

Falsch: Was immer die Wähler von Trump bewogen hat – ein Kampf der Generationen war es jedenfalls nicht. Donald Trump erzielte bei den weißen 65plus 58% der Stimmen, bei den 40plus 63%, und selbst bei den weißen 18 bis 29jährigen waren es noch 48%. Weiße Frauen wählten Trump immerhin zu 53%. Abgesehen davon, machen die weißen 65plus gerade mal 7,3% der Wählerschaft aus.

Will heißen: Ja, Trump hat die Mehrheit bei älteren und weißen Männern bekommen, aber sie entspricht etwa den Mehrheiten, die Konservative oder Sozialdemokraten je nach Land auch hierzulande in dieser Bevölkerungsgruppe einfahren. Keine von der Leyen und kein Steinmeier hat sich bislang darüber beschwert.

Trumps Vorsprung oder auch Defizit bei allen Wählergruppen ist nicht so groß, dass man hier von einer eindeutigen alterstechnischen Polarisierung sprechen kann – sondern schlicht von einem mehrheitlichen Votum. Das bedeutet, und man mag zu dem Ergebnis stehen wie man will: die USA haben gewählt – Ende.

Der Generationenkrieg fällt aus.

Wenn etwas gefehlt hat in Übersee, so man das aus bundesrepublikanischer Distanz mutmassen kann, dann ein Dialog zwischen den Blöcken. Auch das kein US-amerikanisches Monopol: dto in Good Old Europe zerfallen die Bevölkerungen zunehmend in soziokulturelle Cluster, die untereinander sprachlos sind – und sprachlos bleiben wollen. „Postfaktisch“ nennt das die Kanzlerin. „Nicht wissen wollen“ wäre wohl die bessere Umschreibung. Wer will sich schon sein schönes eigenes Weltbild durch Gegenargumente eintrüben lassen?

Nix da. Die Zirkel bleiben lieber unter sich, bestätigen sich in ihren Urteilen – und Vorurteilen. Wozu auch gehört, die andere Seite permanent zum Dialog aufzufordern, um das erwartete Ausbleiben desselben eben jener anderen Seite umgehend anzulasten. Die CSU wollte Merkel lieber nicht auf ihrem Parteitag sehen. Und die Grünen waren sich doch sehr unsicher, ob Daimler Chef Dieter Zetzsche auf ihrem Parteitag sprechen dürfe.

Immerhin, er durfte. Grünen-Chef Cem Özdemir, der eine recht bemerkenswerte Rede für das Rederecht Zetzsches gehalten hat, vermutete „Angst“ hinter der Ablehnung des Auto-Mannes. Nein, Herr Özdemir, es ist viel schlimmer: Es ist Ignoranz.

Es wird nicht mehr miteinander gestritten, sondern gegegneinander geschwiegen.

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