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| Estland ist Vorreiter bei Digitalisierung

Toomas Ilves erhält Reinhard Mohn Preis 2017

Toomas Ilves erhält Reinhard Mohn Preis 2017

Der ehemalige estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves erhielt jetzt den Reinhard Mohn Preis 2017 zum Thema „Smart Country – Vernetzt. Intelligent. Digital.“ der Bertelsmann Stiftung, Gütersloh. Ilves nahm die mit 200.000 Euro dotierte Auszeichnung aus den Händen der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Liz Mohn entgegen.

„Digitalisierung muss jeden Tag aktiv gestaltet werden. Das ist eine Aufgabe, die Gesellschaft und Politik nur im Dialog mit der Wirtschaft lösen können. Ilves hat genau das getan. Das macht ihn zu einem würdigen Träger des Reinhard Mohn Preises.“ Mit der Preisvergabe würdigt die Stiftung Ilves als einen Politiker, der die Möglichkeiten der Digitalisierung für gesellschaftlichen Aufbruch früh erkannt hat. „Mit dem Reinhard Mohn Preis ehren wir Persönlichkeiten, die wegweisende Lösungen nicht nur gedacht, sondern auch umgesetzt haben. Toomas Hendrik Ilves ist sowohl Vordenker als auch Antreiber, der Estland im wahrsten Sinne des Wortes zu einem ‚Smart Country‘ gemacht hat“, so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung.

Estland gilt heute weltweit als digitale Vorzeigenation. Ilves trug mit seinem politischen Gestaltungswillen wesentlich dazu bei, dass sein Heimatland die Digitalisierungsbemühungen der einzelnen Ministerien in einer nationalen Strategie bündelte. Als ehemalige sowjetische Teilrepublik hat Estland die frühe und konsequente Digitalisierung auch dazu genutzt, Korruption einzudämmen, den ländlichen Raum infrastrukturell zu fördern und Meinungsfreiheit zu etablieren.

Datensicherheit betrachtet Ilves eher als Werkzeug denn als Problem. In seinem Konzept von Datensouveränität sieht er den Bürger als aktiven Gestalter. „Tatsache ist, dass es zwischen Sicherheit und Freiheit keinen notwendigen Gegensatz und kein bedingtes Verhältnis gibt. Man kann beides haben. Sich dessen bewusst zu sein, ist besonders wichtig inmitten der Flut von Vorschlägen im gesamten demokratischen Westen, dass das Kompromittieren der Freiheit im Internetzeitalter notwendig sei, um die Sicherheit zu garantieren“, so der Este in seiner Dankesrede.

Für die Esten ist Internetzugang ein Grundrecht. Eine elektronische Identifikation samt digitaler Unterschrift erlaubt es den Bürgern bereits seit 2002, nahezu alle notwendigen Behördenkontakte online zu erledigen. Bei der elektronischen Identifikation wird jeder einmal erfasst, danach ist der Staat nur noch Service- und Sicherheitsgarant. Selbst Ausländer können eine virtuelle Identität beantragen, mit der sich Firmen gründen oder Bankgeschäfte erledigen lassen.

Die Festrede vor rund 450 Gästen im Theater Gütersloh hielt Prof. Jan Gulliksen. Er zählt seit Gründung der Initiative 2012 für die Europäische Kommission zu den „Digital Champions“ Schwedens und ist unter anderem Dekan der „School of Computer Science and Communication“ am Royal Institute of Technology sowie Mitglied der Digitalisierungskommission der schwedischen Regierung. „Toomas Henrik Ilves hat eine wichtige Führungsverantwortung gezeigt. Estland ist in Europa die Nummer 1, wenn es um digitale öffentliche Dienste nach dem Digital Economy and Society Index der Europäischen Union geht“, unterstrich Gulliksen in seiner Laudatio. Er wies außerdem darauf hin, wie wichtig digitale Kompetenzen für uns alle sind. Dieser Verantwortung müssten auch die nationalen Bildungssysteme gerecht werden.

bertelsmann-stiftung.de_reinhard-mohn-preis-2017-an-toomas-hendrik-ilves-verliehen/

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