Home Arbeitswelt/Personal Verwaltung verpasst den digitalen Anschluss
| Bürger wünschen sich mehr Nutzernähe

Verwaltung verpasst den digitalen Anschluss

Verwaltung verpasst den digitalen Anschluss

Die öffentliche Verwaltung in Deutschland verpasst den digitalen Anschluss. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Befragung des Managementberaters Accenture, die auf dem Zukunftskongress Staat & Verwaltung 2016 in Berlin vorgestellt wurde. Dabei wünscht sich gerade die jüngere Generation einen intensiveren digitalen Austausch mit den Behörden.

Laut der Accenture-Umfrage sind insgesamt 77 Prozent der Deutschen unzufrieden mit dem derzeitigen Angebot an digitalen Verwaltungsservices. Dieser Trend verschärft sich noch bei den Digital Natives: unter den 18- bis 29-jährigen nutzt bereits eine große Mehrheit von 90 Prozent digitale Verwaltungsangebote. Doch nur einer von zehn Befragen (11 Prozent) in dieser Altersklasse ist mit den vorhandenen Leistungen auch zufrieden.

Accenture befragte über 6.600 Bürger in Australien, Deutschland, Frankreich, Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Gefragt wurde nach dem aktuellen digitalen Serviceangebot der Behörden, dem Nutzungsgrad in der Bevölkerung sowie dem Interesse an zusätzlichen Angeboten. In Deutschland nahmen über 1.000 Bürger an der Befragung teil.

Unter den betrachteten Ländern bildet Deutschland das Schlusslicht bei der digitalen Interaktion zwischen Bürger und Staat. So gaben 55 Prozent der deutschen Befragten an, dass sie nur zehn Prozent oder noch weniger ihrer Behördengänge auf digitalem Wege erledigen. Nur bei 12 Prozent der Befragten war es mehr als die Hälfte aller Behördengänge.

„Diese Ergebnisse sind aus zwei Gründen alarmierend“, sagt Catrin Hinkel, Geschäftsführerin des Bereichs Öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen bei Accenture. „Trotz zahlreicher Bemühungen ist Deutschland noch immer nicht so erfolgreich wie andere Länder darin, eine digitale Revolution in der Verwaltung anzustoßen. Zudem klafft gerade bei der jüngeren Generation eine erhebliche Lücke zwischen den Erwartungen und dem Ist-Zustand. Staat und Verwaltung drohen sich damit künftig weiter von der Gesellschaft zu entfremden. Denn von der digitalen Generation wird nur ernsthaft wahrgenommen, wer online und vernetzt ist.“

Die Deutschen stellen dabei hohe Ansprüche an die Qualität öffentlicher digitaler Dienstleistungen: 84 Prozent der Befragten haben dieselben (50 Prozent) oder sogar höhere (34 Prozent) Erwartungen an die Qualität digitaler Angebote von Behörden verglichen mit denen kommerzieller Anbieter. Dabei stehen sie einer digitalen Verwaltung durchaus offen gegenüber: Fast alle (98 Prozent) der Befragten wollen ihren derzeitigen Nutzungsgrad digitaler Services im kommenden Jahr beibehalten oder ausweiten. Vor allem unter den jüngeren Bürgerinnen und Bürgern (18 bis 44 Jahre) will eine Mehrheit von 57 Prozent künftig verstärkt davon Gebrauch machen.

Ein wesentliches Problem digitaler Verwaltungsservices in Deutschland ist ihre nach wie vor geringe Bekanntheit und Verfügbarkeit. Fast die Hälfte (45 Prozent) aller Befragten – und 58 Prozent der 18- bis 29-jährigen – wissen laut eigener Aussage nicht, welche Dienste von den Ämtern überhaupt online angeboten werden. Zudem hat die Hälfte (49 Prozent) der der 18- bis 29-jährigen schon erlebt, dass sie Verwaltungsservices online nutzen wollten, diese aber schlichtweg nicht zur Verfügung standen.

Rund drei Viertel (78 Prozent) der befragten Deutschen legen bei einer digitalen Verwaltung gerade auf solche Funktionen Wert, die sie auch von kommerziellen Online-Anbietern gewohnt sind. Insbesondere erwarten sie, dass ihre Fragen abschließend beantwortet werden (91 Prozent), dass verfügbare Informationen auf ihre spezifische Situationen und Lebenslagen zugeschnitten sind (78 Prozent) und dass sie den aktuellen Status ihrer Anfragen einsehen zu können (75 Prozent). Außerdem wünschen sich rund zwei Drittel der Befragen (67 Prozent), erforderliche Informationen nur einmal eingeben zu müssen.

Das größte Interesse zeigen die Deutschen daran, auf digitalem Wege Ausweise, Registrierungen und Genehmigungen beantragen oder erneuern zu können. Außerdem möchten sie online Informationen über Verwaltungsdienstleistungen einholen können sowie nicht notfallbezogene Meldungen machen.

„Um die digitale Kluft zu überwinden, muss die Verwaltung noch stärker vom Bürger her denken und ihre Angebote an ihnen ausrichten“, so Hinkel. „Damit rückt das Servicekonto in den Blick als zentraler Ort für die lebenslagenbezogenen Angelegenheiten der Bürger nach dem ‚one-stop-shop‘-Prinzip.“

Daraud dürften die Deutschen aber noch länger warten (DW). Die Studie „Zukunftspanel Staat & Verwaltung 2016“ der Wegweiser GmbH Berlin Research & Strategy und der Hertie School of Governance hat gerade ergeben, dass Bürgerwünsche bei ihnen kaum eine Rolle spielen. Auch das Theme Digitalität wird zwar gerne genommen, aber nur unter dem Blickwinkel Produktivität. Servicequalität steht ganz hinten an. Verwaltungen kümmern sich hierzulande vorzugsweise um sich selbst.

accenture

DW: verwaltung-hadert-mit-e-government

SCHREIBEN SIE EINEN KOMMENTAR

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *




Unterstützen Sie uns

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, haben Sie hier die Möglichkeit uns bei unserem Anliegen zu unterstützen.


oder

 


Weitere Artikel der Rubrik

Archiv | 2017 | 2016 | 2015

Wenn Ihnen demografiewandel.info gefällt, unterstützen Sie uns und unser Anliegen.

 

Auf demografiewandel.info lesen sie jeden Tag aktuelle Nachrichten und Einsichten zum demografischen Wandel. Weil alle, die sich mit ihm beschäftigen, einen breiten Sachüberblick benötgen. Weil wir glauben, dass dem entscheidenden Thema unserer Zeit eine Stimme fehlt. Weil wir mehr über den neuen Generationenvertrag, der jetzt im Entstehen ist und über unser Altersbild diskutieren sollten.

Leider decken die Anzeigen unseren organisatorischen und technischen Aufwand noch nicht ab.

Wir freuen uns daher, wenn Ihnen unser Anliegen und unsere Arbeit etwas Wert sind.
Entscheiden Sie selbst, wieviel. Je Artikel, aber auch für einen längeren Zeitraum.
Vielen Dank

 

Ich unterstütze bereits