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| Dr. Andreas Knaut, Chefredakteur

Wandel im Wahlkampf

Wandel im Wahlkampf

Demografiewandel, info startet jetzt in den Herbst. Und mit ihm – welch Überraschung: der Wahlkampf. In seinem Mittelpunkt: der demografische Wandel. Freilich nicht als solcher, sondern seine „Ausläufer“: die Rente, die Migration und die Flüchtlingsfrage, der Facharbeitermangel, das Wohnungsdefizit, die Pflegequalität, die Land-Stadtwanderung usw.. Allerorten bringen sich Kandidaten, mögen sie Bundeskanzler oder Bürgermeister werden wollen, dazu in Stellung.

Schade nur, dass wieder nur über jene „Ausläufer“ diskutiert werden wird. Alle Themenbereiche werden wieder brav isoliert voneinander betrachtet, Lösungsvorschläge getrennt nach Fachbereich formuliert. Gesamtkonzept: nada. Überschau: gibt es nicht.

Das hat zur traurigen Folge, dass dem um seine Zukunft bangende Bundesbürger wieder nicht offenbart wird, um welchen Einsatz das Endgame dieser Bundesrepublik eigentlich spielt: Nämlich um nichts weniger als um den Aufbau eines neuen Gesellschaftsgefüges und die Neuformulierung des Generationenvetrtrages.

Zum anderen wird ihm suggeriert, radikalere Lösungen seien vermeidbar und eine Fortsetzung des Weiterso ohne Weiteres denkbar. Sieht man sich die Rezepte der Parteien quer beet zu nahezu allen Fragen an, so lautet deren Vorschlag: Wir brauchen von allem immer mehr und das immer besser. Kreativität sieht anders aus.

Das ist bequem. Keiner muss sich fürchten.

Das ist gefährlich. Denn die Bundesrepublik wird sich schon bald dieses „es geht alles und mehr“ nicht mehr leisten können. Irgendwann, wahrscheinlich nach der Bundestagswahl, wird die Politik erklären müssen, dass sie Priorisierungen in ihrem Investitionsverhalten treffen muss. Dass nicht mehr jede Zielgruppe alle Forderungen bewilligt bekommen kann. Dass Qualitätsstandards nicht ohne Weiteres mehr erhöht, vielleicht sogar absenkt werden müssen. Dass liebgewordene Gewohnheiten leider radikalen innovativen Lösungen weichen müssen.

Jeder, der zur Wahl schreitet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass eine Prolongierung des „Weiterso“-Wechsels ad infinitum nicht mehr geschehen kann. Der demografische Wandel setzt die Betonung auf „Wandel“ – das sollte endlich ernstgenommen werden. Wir brauchen einen größeren, einen insgesamten Politikentwurf.

Man wagt es kaum zu sagen: wir brauchen Vision.

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