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| Dr. Andreas Knaut, Chefredakteur

Weltseniorentag – war was?

Weltseniorentag – war was?

Der Weltseniorentag kam früh am ersten Oktober und er verließ uns nachts wieder und er wurde begangen wie alle seiner Vorgänger. Pflegeverbände nutzten die Gelegenheit, einmal mehr auf vorhandene Notstände, erschreckende Engpässe und fehlende Ressourcen hinzuweisen. Gesundheitsorganisationen und Ministerien feierten sich auf der Berliner Messe Rehacare ob der eigenen Innovationsfähigkeit und digitalen Vision. Die Bosch-Stiftung verkündete gleich sieben Anwärter auf ihren Alterspreis und die Bundesarbeitsgemeinschaft für Seniorenorganisationen (BAGSO) forderte unerhört radikal eine „UN-Konvention zum Schutz der Rechte älterer Menschen“. Naja, genau genommen forderte sie sicherheitshalber nur „Vorschläge zur Ausarbeitung einer Konvention zum Schutz der Rechte älterer Menschen zu prüfen“, denn es könnte ja einer dagegen sein.

Und alle zusammen rüffelten die armen Rentner, endlich vorsichtiger Auto zu fahren, sich bewusster zu ernähren, einen Betreuungskurs für Enkel zu absolvieren und keinesfalls die Krebsvorsorge zu vergessen.

Die Bundesregierung? Innenminister Lothar de Maizière war beim Deutschlandtag in Dresden mit der Vorwärtsverteidigung unserer Demokratie beschäftigt und Manuela Schwesig, eigentlich für Senioren zuständig, unterstützte ihn dabei. Immerhin raffte man sich auf der BMFSFJ-Alterssite zu der topaktuellen Monatsfrage auf, welche Namen der Ehrentag überhaupt tragen solle: „Internationaler Tag der älteren Menschen“, „Weltseniorentag“, „Weltaltentag“ (nur eine Antwort möglich). Da fühlte man sich intellektuell gleich an ZDF oder RTL erinnert – wer ist Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft: Joachim Löw oder Uli Hoeneß?

Schweigen natürlich seitens der Bundeskanzlerin oder dem Bundespräsidenten. Aber von den katholischen Bischöfen oder wenigsten dem Rat der evangelischen Kirche in Deutschland, doch sonst so meinungsfreudig, hätten wir schon etwas erwartet.

Ok, ein solcher Weltseniorentag (wir nennen ihn mal so, denn die Abstimmung auf der Website des BMFSFJ ist noch nicht beendet) soll in seiner Bedeutung nicht überschätzt werden. Aber ein Symbol ist er eben doch und leider auch sehr symbolisch, weil kennzeichnend ist der Umgang mit ihm. Wie der Tag selbst, so wird auch das Thema „Altern“ weitgehend öffentlich negiert, oder wird, wenn es denn sein muß, einfalls – und leidenschaftslos abgespielt.

Sieht nicht so aus, als solle sich daran was ändern. Die Politik hastet weiter atemlos von Thema zu Thema, von Flüchtlingen zu Rente zu Wohnnotstand und wieder zurück. Verbände und Stiftungen drehen weiter an ihrer Konferenzschleife, dazu ein paar Wettbewerbe – fertig. Die nächsten „Wochen“ sind schon angekündigt – Tag der Regionen, Filmfestivals der Generationen usw.

Gut für die Veranstalter, gut für Eventagenturen, ja vielleicht auch gut für Networking, Kultur und Wissenschaft? Aber sonst?

Einzig der Hamburger Verein „Wege aus der Einsamkeit“ sucht mit seinen senioralen Flashmobs tatsächlich neue zeitgemässe Wege aus dem müden kommunikativen Einerlei. Mehr davon. Es gibt gefühlt tausend Preise für Innovative und Innovationen. Warum eigentlich gibt es keinen Preis für kreative Öffentlichkeitsarbeit in Sachen „Altern“?

Der Weltseniorentag ist ein Anlaß. Solcher macht aber nur Sinn, wenn man ihn auch nutzt.

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