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| Demografische Wandel erfordert Umdenken bei der Beförderungspraxis

Wer Bus fährt, lebt gesünder

Wer Bus fährt, lebt gesünder

Wer Bus fährt, lebt gesünder. Hochschule Fresenius und DB Regio präsentieren Ergebnisse zum gemeinsamen Forschungsprojekt „Mobilität im Alter“. Demografische Wandel erfordert Umdenken bei der Beförderungspraxis.

Die Studie hat Nutzungseffekte des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) von Senioren und Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung erhoben und Hinderungs- und Förderfaktoren identifiziert. Die Untersuchungen liefern wichtige Erkenntnisse  darüber, welche Voraussetzungen für eine sichere und einfache Nutzung geschaffen werden müssen, wie der ÖPNV in der Gesellschaft wahrgenommen wird und was er für das Individuum leistet.

„Das Thema ‚Mobilität im Alter‘ hat eine sehr hohe gesellschaftliche Relevanz“, berichtet Prof. Dr. Christian T. Haas. „Die Fähigkeit, sich möglichst lange selbst versorgen zu können, eigenständig Einrichtungen der Gesundheitsversorgung zu erreichen oder gesellschaftlichen Aktivitäten nachgehen zu können, ist ein Katalysator für Lebensqualität. Es geht nicht darum, bloß von A nach B zu kommen, sondern um die Ermöglichung von Anschlussaktivitäten.“

Ein funktionierendes Mobilitätsystem ist zudem eine Schlüsselkomponente der Gesundheitsversorgung, mit entsprechend hoher gesundheitsökonomischer Relevanz. Ebenso hoch ist die Bedeutung für die lokale Wirtschaft und die Volkswirtschaft: Positive Wirtschaftsleistungen älterer Bürger korrelieren in hohem Maß mit dem Erreichen von Mobilitätszielen.

„Aktuell konzentriert sich ‚Barrierefreiheit‘ noch überwiegend auf den Bereich des Ein- und Ausstiegs an den Haltestellen. Es reicht aber nicht, dass ein Bus absenkbar ist. Wir haben gesehen, dass auch innerhalb des Fahrzeugs Nutzungsbarrieren entstehen können“, so Haas. Dabei geht es nicht nur um die Belastung durch das An- und Abfahren. Ältere Menschen brauchen beispielsweise erheblich länger für die Identifikation eines freien Platzes, beziehungsweise für das Abwägen, welcher Sitz für sie geeignet ist und wie sie sich hinsetzen können. „Auch das Verständnis von Symbolen, die beispielsweise einen Sitzplatz für mobilitätseingeschränkte Personen signalisieren sollen, darf nicht einfach vorausgesetzt werden“, sagt Haas.

Die Zeitverzögerung bei der Einnahme eines Sitzplatzes stellt die Verkehrsgesellschaften vor eine große Herausforderung: Größtmögliche Sicherheit würde lange Standzeiten an den Haltestellen bedeuten. Die Forscher haben herausgefunden, dass ältere Personen doppelt so lange für Ein- und Ausstieg brauchen wie die Jüngeren, bei gebrechlichen Personen steigt die Dauer auf das Vierfache. Ein Vorhersagemodell zeigt, dass auf Basis von 500 Millionen Fahrgästen in einem Jahr und einer Steigerung von nur zehn Prozent an gebrechlichen Personen 20.000 Stunden extra für Ein- und Ausstieg eingeplant werden müssten. „Deshalb bedingt der demografische Wandel systemische Veränderungen in der ÖPNV-Planung“, schlussfolgert Haas.

Personen, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen, bewegen sich durch die Fußwege zur Haltestelle mehr als die Nichtnutzer. Forscherkollegen berichten, dass ÖPNV-Nutzer dreimal wahrscheinlicher als Nichtnutzer die Bewegungsempfehlungen der World Health Organization (WHO) – 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche – erfüllen. Das Risiko, an Herz- Kreislaufpathologien zu erkranken, kann sich hierdurch um 30 Prozent verringern, das Mortalitätsrisiko um 20 Prozent. „Auch unter diesem Gesichtspunkt ist eine entsprechende ÖPNV-Nutzung zu begrüßen und ein sicheres Gefühl beim Busfahren eine grundlegende Voraussetzung“, teilt Haas mit.

hs-fresenius.de_Ergebnisse_Forschung_Mobilitaet_im_Alter

 

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