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| Dr. Andreas Knaut

Wildwuchs überall

Wildwuchs überall

„buntundverbindlich“ nennt sich die neue Site des Bundesseniorenministeriums. Sie will „Unternehmen, Initiativen und ehrenamtliche Helfer miteinander vernetzen“. „Deutschland kann dass“ widerum wird geführt vom Bundespresseamt und ermöglicht „Helfern und Flüchtlingen, ein Angebot in der Nähe zu finden“. Die Unterschiede zwischen beiden Sites? Nur für Fachleute auffindbar.

Und das sind nur zwei der jüngsten Netzangebote zum Spezialthema Flüchtlinge seitens der Bundesregierung. Weiter zu listen wären die zahlreichen Länder- und Verbändeinitiativen. Von allen anderen Themenfeldern des demografischen Wandels gleich ganz abzusehen. Gefühlt kommt wöchentlich ein Webangebot dazu, das vernetzt, kommuniziert, sammelt, aufruft. Jeden Tag klingelt ein Newsletter in der Mailbox. Wenn alle Ehrenamtlichen diese Angebote wahrnehmen wollten, hätten sie für Ihr eigentliches Ehrenamt keine Zeit mehr.

Ist ja schön, dass jetzt auch Politik und Verbände entdeckt haben, wie sinnvoll digitale Kommunikation sein kann. Und – klar – alles ist honorig und in der Sache lobenswert. Aber ist es auch sinnvoll?

Kaum. Unkanalisiert schwappt die Webwelle der „guten“ Sites über das verwirrte Publikum. Mehr Koordination ist dringend gefragt.

Dazu mehr Marketing-Knowhow: Eine Website zu gründen ist leicht, diese zu vermarkten aber schwer und vor allem teuer. Kaum einer der neuen „Netzaktivisten“ macht sich Gedanken darüber, wie denn das Publikum dauerhaft zur Site kommen und an diese gebunden werden soll. Kommunikationsbudgets sind gar nicht oder nur ungenügend vorhanden. Irgendwie hofft man wohl darauf, dass das eigene „gute Anliegen“ schon für sich selbst spricht. Nur dass dieses aufgrund mangelnder Ressourcen vom Start weg zum Schweigen gezwungen ist.

Den meisten Angeboten fehlt zudem die klare Positionierung. Die Sites sind zwar gefällig gestaltet, aber der geneigte Besucher kann wenig unterscheiden, warum er jetzt hier mitmachen soll und dort nicht.

Es sei daran erinnert: das WWW folgt einer „TheWinnerTakesItAll“ Lohik. Nur wer die kritische Masse bei sich versammelt, kann auch wirklich etwas bewegen. Hier ein bisschen Traffic, dort ein wenig Besuch – das reicht nicht, um die flächendeckende Bewegung in Gang zu setzen, die sich doch alle wünschen.

Das liegt natürlich auch an einer Förderstruktur, die gerne den Start von Projekten unterstützt, sich aber über deren „Wiegehtsweiter?“ weniger Gedanken macht. Insofern ist es kurios, wenn anschließend alle über mangelnde Bekanntheit klagen.

Gefragt ist mehr Zusammenarbeit, eine Zurückstellung der Eitelkeiten und Egoismen und eine Bündelung der Kräfte – und Webauftritte. Die Bundesregierung hat hier einst mit dem Demografieportal einen sinnvollen Anfang gemacht. Sie hätte diesen fortsetzen sollen.

Was jetzt zu bleiben droht, sind digitale Nischenangebote, Staubfänger im Netz. Schnell gestartet, halbherzig gefahren, bald vergessen. Genutzt haben sie am Ende nicht der guten Sache, sondern nur den beauftragten Dienstleistern.

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